Warum dich nur die Kombination schneller macht. Ein Interview mit Kerstin Kögler.
Mentaltrainerin, Fahrtechnik Trainerin und ehemalige Profi-Radsportlerin. Das ist Kerstin.

Mittlerweile bin ich seit neun Jahren im Radsport und habe in dieser Zeit viel erlebt. Ich habe gelernt, dass zum Radsport nicht nur das Radfahren gehört, sondern auch die Regeneration, die Ernährung, Fahrtechnik und die mentale Stärke.
Seit sieben Jahren arbeite ich mit Kerstin in vielen verschiedenen Bereichen . Angefangen haben wir beide mit Fahrtechnik Trainings, in denen ich von den Basics bis zur Renntechnik viel gelernt habe!
Und später auch die mentale Komponente.
Die mentale Komponente war für mich anfangs neu, und ich war gespannt, welche Dinge ich alle lernen kann, die mich im Rennen verbessern.
Später ging es auch in das Private über, als ich mental sehr stark mit meinem Eppstein Barr Virus gekämpft habe.
Ihr seht also, das Thema ist sehr komplex und bezieht sich nicht nur auf einen bestimmten Bereich und auch nicht auf eine bestimmte Sportart.
Deshalb habe ich heute Kerstin eingeladen, damit wir uns ausführlich über diese Themen unterhalten können und ihr sicherlich den ein oder anderen Tipp mitnehmen könnt.
Aber lasst uns doch erst einmal mit einer kleinen Vorstellungsrunde starten.
Hey Kerstin, stell dich unseren Lesern und Leserinnen doch mal kurz vor und erzähle, wie du zum Radsport gekommen bist.
Was deine persönlichen Highlights waren und auch was du aus dem Radsport für das sonstige Leben mitgenommen hast.
Hallo Lelia, vielen Dank für die Einladung. Ich liebe das Mountainbiken und habe mein Hobby vor mehr als 12 Jahren zum Beruf gemacht. Ich war international bei Rennen am Start und habe zunächst mit Cross Country und MTB Marathonrennen begonnen, bis ich mir als Enduro Profi im BMC Factory Enduro Team einige meiner größten Träume erfüllen durfte. Highlights waren sicherlich die vielen internationalen Rennen wie z.B. die Enduro World Series in Canada, YAK Attack “rumble in the jungle” in Sri Lanka oder mein Sieg bei der Lenzerheide Bikeattack, einem Massenstartdownhillrennen.

Ich fuhr neben dem Radsport immer zweigleisig, als BWL Studentin, während meiner Zeit in einer Agentur für Kommunikation oder als Selbständige mit meinen beiden Standbeinen Fahrtechniktraining und Mental Coaching. Seit vielen Jahren bin ich auch Mitglied im Bundeslehrteam Mountainbike der DIMB und gebe zudem viele Fortbildungen für MTB Schulen, Vereine und Fahrtechniktrainer. Mitgenommen aus dem Radsport habe ich: mich permanent weiterentwickeln zu wollen, daher auch meine umfangreichen Fortbildungen im Mental Coaching, meine Lösungsorientierung, mentale Stärke und die große Freude am Sport draußen in der Natur.
Dein Leben war ja super spannend bisher, gerade dein Background im Profiradsport ist sicherlich für viele sehr spannend. Möchtest du uns ein kleines Highlight aus deiner Profizeit erzählen?
Vielleicht hast du auch etwas für uns, dass du heute mit deinem jetzigen Wissen besser machen würdest und unsere Leserinnen und Leser auch etwas lernen können.
Es gab soviele besondere Momente. Was mich am meisten faszinierte waren die verschiedensten Länder und Gegenden, die ich kennenlernen durfte. Ich bin gerade zu meiner Enduroprofizeit nur ein Rennen in Deutschland gefahren, war teilweise wochenlang unterwegs. Ich liebe die alpinen Westalpen und egal ob die Etappenrennen Trans Provence, Trans Savoie von Val d’ Isere nach Chamonix oder die Haute Route mit dem MTB. Wenn ich an diese atemberaubenden Landschaften zurückdenke bin ich unglaublich dankbar dafür. Auch für die vielen inspirierenden Begegnungen.

Doch gab es auch Momente, in denen ich an mir gezweifelt habe und einige Rennen, in denen ich meine Leistung nicht gut abrufen konnte. Damals dachte ich: ich muss nur noch mehr trainieren. Doch aus jetziger Sicht als Mental Coach stand mir damals auch ab und zu der Kopf im Weg, sowie mein Ehrgeiz, der mit mir durchgegangen ist. Ich würde aus jetziger Sicht als Profisportler regelmäßig mit einem Mental Coach zusammenarbeiten und meine Regenerationszeiten noch besser planen und einhalten. Denn Vollgas braucht auch Pause und letzteres fällt mir deutlich schwerer. Auch würde ich Erfolge noch mehr würdigen und auch den Prozess und meine eigene Entwicklung mehr im Fokus halten als Rennergebnisse. Klar, Ergebnisse sind natürlich wichtig, doch diese liegen nie zu 100%ig im eigenen Einflussbereich. Die eigene Weiterentwicklung und Leistungssteigerung hingegen schon.
Danke Kerstin für deinen spannenden Einblick, diese Tipps sind wirklich wertvoll. Lass uns doch einmal tiefer in den Sport einsteigen.
Nicht jeder hatte schon Berührungspunkte mit einem Mental Coach, aber einige hatten sicherlich schon Berührungspunkte mit einem Fahrtechnik-Training. Kannst du uns ein bisschen mitnehmen, warum es nicht nur das eine oder das andere gibt, sondern wie die beiden Dinge miteinander zusammenhängen?
Aus meiner Sicht hängt beides zusammen. Angst oder viel Stress kann blockieren und dies führt dazu, dass auch die Fahrtechnik nicht gut abgerufen werden kann. So wird z.B. die Balance schlechter, die Feinmotorik oder die Blicksteuerung. Angst und großer Stress sind im Fahrtechniktraining nie förderlich. Daher kann hier bereits ein Mental Coaching vor dem Fahrtechniktraining für Mut, Selbstvertrauen und eine positive Einstellung sorgen. Im Fahrtechniktraining bringe ich meine Teilnehmer zwar außerhalb ihrer Komfortzone. Doch sollte es immer noch in einem Bereich liegen, der sich vielleicht etwas unsicher anfühlt, gleichzeitig die Teilnehmer aber wissen wie es geht und es “machbar” ist. Lieber kleine Zwischenschritte, Wiederholungen und Aufgabenvielfalt für ein leichtes, freudiges Lernen mit vielen kleinen und großen Lernerfolgen. Selbstverständlich lasse ich auch im Fahrtechniktraining Impulse aus dem Mentalcoaching einfließen. Für gehirngerechtes Lernen und maximalen Lernerfolg.
Viele Fahrer und Fahrerinnen kennen sicherlich das Gefühl, vor einer Kurve oder einem Absatz zu stehen und sich “nicht zu trauen”. Oft wird im Laienbereich hier ja von einer “mentalen Blockade” gesprochen, auch wenn es vielleicht eher die fehlende Fahrtechnik ist. Was rätst du in solch einer Situation?
Ich selbst unterteile Blockaden in insgesamt 7 Ebenen und es ist wichtig für mich, die passende Ebene oder Ebenen herauszufinden. Um punktgenau die Blockade zu lösen. Die klassische Definition einer mentalen Blockade ist” Klare Sicht, gefühlte Barriere” was soviel heißt wie: Der/die Fahrerin weiß genau wie es geht, könnte es eigentlich, fühlt sich aber wie blockiert oder wie in einem inneren Konflikt. Ein Teil sagt “komm’ los, du kannst das”, der andere Teil “Nein, lieber nicht und zieht die Bremse”. Manchmal taucht eine Blockade auch erst nach einem Ereignis z.B. Sturz auf. Sturz-Mentalcoachings gehören zu meinen häufigsten Coachingthemen. Hierzu habe ich auch einen Blogartikel geschrieben:
https://kerstin-koegler.de/mental-coaching-nach-einem-sturz-mentale-blockade/
Hier ein Beispiel einer Klientin:
Ich möchte unbedingt meinen Kopf überreden, nicht immer gleich „Nein mache ich nicht!“ zu sagen. Oder anders gesagt: mir nicht immer so komische Gedanken zu schicken wie: Ohjeh viel zu steil! viele Steine! zu schräg!
Ich liebe Radeln, aber in den letzten 1 1/2 Jahren ist mein Angstfaktor wieder sehr viel stärker geworden. Besonders schlimm ist es bei steilen Abfahrten.
Ich kann es, aber ich grusel mich sehr. So habe ich nun beschlossen, ich muss unbedingt mental arbeiten. Technikkurse live belege ich auch, aber das Meiste ist der Kopf.“
Wenn jemand nicht genau weiß, wie es geht oder es Defizite in der Fahrtechnik gibt, kann die Angst auch ein “gesunder Selbstschutz” sein. Und in diesem Fall sinnvoll, hier empfehle ich ein Fahrtechniktraining. Zum Beispiel, wenn jemand noch nie einen Fahrtechnikkurs hatte, aber große Angst in Abfahrten. Hier kann aber auch ein Mentalcoaching vor dem Fahrtechnikkurs sinnvoll für eine mentale Stärkung sein. Für weniger Angst und mehr Spaß im Kurs!
Hier hilft mir meine langjährige Erfahrung als Mentalcoach und Fahrtechniktrainerin und in einem persönlichen Telefonat oder Gespräch vorab berate ich auch gerne, was es aus meiner Sicht zur Lösung der Blockade braucht. Denn genau auf Blockaden bin ich spezialisiert.

Dein Slogan ist ja: Mental fit im Beruf, Alltag und Sport. Kannst du uns einen Einblick geben, welche Themen du betreust? Und auch wie ein Mental-Coaching abläuft. Was kann man sich von einem Mental-Coaching versprechen?
Ich coache nicht nur Radsportler sondern auch weitere Sportarten wie z.B. Klettern, Bergsteigen, Ski Ausdauersport wie z.B. XTERRA & Triathlon, aber auch Volleyball, Fußball oder Reiter. Zudem bin ich auf Mentale Blockaden und Stressbewältigung im Sport, Job oder Beruf spezialisiert. Häufige Themen sind auch innere Konflikte, Prüfungs- und Leistungsdruck, Begleitung bei privaten und beruflichen Veränderungsprozessen und vieles mehr. Viele Klienten kennen mich aus Fahrtechniktrainings oder Sport Coachings und kommen dann auch mit anderen Themen aus dem beruflichen oder privaten Bereich zu mir. Wie z.B. letztens: ich habe eine Mountainbikerin während einer beruflichen Neuorientierung begleitet.
Meine Mental Coachings finden vorwiegend Online statt und dauern meistens eine Stunde. Dadurch sind diese zeitlich und räumlich flexibel. Ich habe Klienten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Da wäre eine weite Anreise recht umständlich. Ich stelle zunächst viele Fragen und wir beleuchten dein Thema von verschiedenen Perspektiven.
Im Coaching liegt mein Fokus auf der Lösung und das Ziel bestimmst du als Klient. Coaching ist ein methodisch geführtes hoch effektives Gespräch. Da ich auf emotionale Blockaden spezialisiert bin – egal ob im Sport, Alltag oder Beruf – kombiniere ich zudem Methoden um Blockaden zu lösen. Meine Coachings sind individuell: jeder Mensch, jedes Thema und jede Lösung ist einzigartig. Daher halte ich von Sätzen wie „5 Tipps und du bist deine Blockaden los“ nicht viel, dies sind meiner Sicht nur leere Marketing-Versprechungen.
Ich habe auch erst einige Zeit gebraucht, bis ich “sattelfest” wurde. Denn ich möchte halten, was ich verspreche, sonst wäre meine Selbstständigkeit nicht nachhaltig.
In meinen Coachings nutze ich ein wissenschaftsorientiertes Framework und erkläre auch die für dich wichtige Hintergrundinformationen.
Ich könnte hier noch ewig weiter erzählen. Für alle, die tiefer eintauchen und noch mehr erfahren wollen, habe ich hier noch 4 Links zu Blogbeiträgen und einem Podcast. Bei Fragen könnt ihr euch auch jederzeit direkt an mich wenden oder auf meiner Website vorbeischauen.
https://kerstin-koegler.de/was-ist-mental-coaching/
https://kerstin-koegler.de/emtrace-master-coach-blockaden-loesen-im-sport-alltag-und-beruf/
https://kerstin-koegler.de/mentales-stressmanagement-fuer-sport-alltag-und-beruf/
https://kerstin-koegler.de/mentale-blockaden-im-outdoorsport-vaude-podcast/
Vielen lieben Dank Kerstin für deine Zeit! Es war wie immer eine große Freude mit dir.
Du hast noch Fragen? Dann stelle diese gerne in den Kommentaren.

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